Casuistik der Blutfleckenkrankheit.

Des beschränkten Raumes wegen kann ich nur einige Krankheitsgeschichten hier mittheilen. Von den Fällen, welche mit Genesung endeten, will ich ganz ab­sehen, weil der Krankheitsverlauf bei diesem Ausgange leicht zu verstehen ist. Da­gegen dürften die nachstehend beschriebenen Krankheitsgeschichten in ätiologischer Hinsicht und zur Illustration des differenten Verlaufes der Blutfleckenkrankheit ein allgemeines Interesse beanspruchen können.

1) Protopathische retropharyngeale Abscesse. Schwere Erkrankung

mit verzögertem Verlaufe und ichorrhämischer Gesammtaffection.

Tödtlicher Ausgang.

Ein Handelspferd (Wallach, 5 Jahr alt, 164 Ctm. gross) wurde am 9. September 1884 in die Klinik gestellt, weil es seit einigen Tagen sich krank gezeigt hatte. Es war gut genährt, bekundete aber eine krankhafte Benommenheit des Bewusstseins. Appetit gering. Darmexcremente weich. R. 12. P. 48. T. 39,9. Herzstoss fühlbar, Lungen vollständig wegsam. Die Nasenschleimhaut an beiden Seiten mit zahlreichen Petechien besetzt und blutig geschwollen. Auch die Conjunctiva beider Augen trägt mehrere erbsen- bis bohnengrosse blutige Herde. Der rechte Hinterfuss ist massig stark und ödematös geschwollen. Die Schwellung erstreckt sich vom Metatarsus bis zum Kniegelenk, wo sie mit einem scharfen Absatz endet. Sie umfasst den Unter­schenkel vollkommen und ist am stärksten in der Sprunggelenkbeuge. Schmerz­empfindung beim Druck auf die Geschwulst gering.

Ord.: Freie Bewegung im Laufstall und stündliche Waschungen mit einer Lösung von Plumb. acetic. und Alum. in Wasser, welcher Kampfer im Verhältniss von 5 : 1000 zugesetzt wird.

Sept. 10. R. 14. P. 50. T. 39,6. Auch am linken Hinterfuss und an beiden Vorderfüssen vom Carpus bis zum Buggelenk sind blutige Herde mit Schwellung in der Subcutis entstanden. Innerlich Acid. hydrochloric. 30,0 im Trinkwasser und Fortsetzung der Waschungen an den geschwollenen Gliedmassen.

Sept. 11. R. 15. P. 58. T. 39,8.

Sept. 12. R. 15. P. 60. T. 39,6. Frische Schwellungen im unteren Dritttheil des Kopfes, besonders an der Nase, an den Lippen und im Kehlgange. Blutige De-jection aus der Nase mit Antrocknung von röthlichen Krusten an den Nasenrändern. In- und exspiratorisches Schnieben. — Einschnitte in die Geschwülste an der Nase und an den Lippen. Die Schnittwunde ergiebt, dass die Infiltration der Subcutis theils eine blutige, theils eine gelbsulzige Beschaffenheit hat. Die Therapie wird fortgesetzt.